Meshtastic 2.8.x

Viele interessante Neuerungen für das Meshtastic-Funknetzwerk

(Stand: 3. November 2026)

Mit der neuen Firmware-Generation 2.8.x stehen zahlreiche Verbesserungen und interessante neue Funktionen für Meshtastic® bevor. Die Entwickler haben dabei nicht nur verschiedene Fehler behoben, sondern auch grundlegende Bereiche der Software überarbeitet. Besonders die Sicherheit, die Verarbeitung von Nachrichten und die Leistungsfähigkeit größerer Mesh-Netzwerke profitieren von den Neuerungen.

Einige Funktionen eröffnen sogar ganz neue Anwendungsmöglichkeiten.

WICHTIG: Die Version 2.8.x befindet sich derzeit noch in der Alpha-Testphase. Die bisherigen Versionen 2.8.0 und 2.8.2 wurden aufgrund erkannter Probleme zurückgezogen. Für den regulären Betrieb empfiehlt sich weiterhin die bisherige stabile Firmware-Generation 2.7.x.

Hier ein Überblick über die interessantesten Neuerungen und ihre Bedeutung.

1. Verbesserte Sicherheit durch digitale Signaturen

Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Unterstützung digital signierter Funkpakete mittels XEdDSA. Damit kann ein empfangender Node überprüfen, ob eine Nachricht tatsächlich von der angegebenen Geräteidentität stammt und unterwegs nicht verändert wurde. Das erschwert das Vortäuschen fremder Node-Identitäten. Für die Überprüfung stehen verschiedene Sicherheitsrichtlinien zur Verfügung, die festlegen, wie mit nicht signierten Nachrichten umgegangen wird.

Was bedeutet das?

Die Authentizität von Nachrichten kann besser überprüft werden. Das ist besonders für öffentliche Mesh-Netzwerke und die Administration anderer Nodes interessant.

Die Signaturregeln werden in den Alpha-Versionen noch angepasst. Signierung und Verschlüsselung sind dabei unterschiedliche Funktionen: Eine digitale Signatur bestätigt die Herkunft einer Nachricht, macht deren Inhalt aber nicht automatisch geheim.

2. Neue Node-Identifikation

Bisher wurde die Node-Nummer aus der Hardwareadresse des Gerätes abgeleitet. Mit Version 2.8 wird die Node-Nummer stattdessen aus der kryptografischen Identität beziehungsweise dem öffentlichen Schlüssel des Nodes bestimmt. Dadurch wird die Geräteidentität enger mit den verwendeten Sicherheitsschlüsseln verknüpft.

Was bedeutet das?

Nach einem Firmwareupdate von 2.7 auf 2.8 kann ein bereits bekannter Node unter einer neuen Node-Nummer erscheinen. Das ist kein Fehler. Allerdings müssen möglicherweise Favoriten, MQTT-Auswertungen oder andere Anwendungen angepasst werden, die eine bestimmte Node-Nummer verwenden.

3. Bessere Leistung in großen Mesh-Netzwerken

Besonders interessant ist die vollständig überarbeitete Verwaltung der Node-Datenbank. Die Größe dieser Datenbank wird nun besser an den verfügbaren Speicher des jeweiligen Funkgerätes angepasst. Zusätzlich wurde das sogenannte Traffic Management verbessert. Dieses erkennt beispielsweise mehrfach empfangene Nachrichten und kann übermäßige Weiterleitungen begrenzen. Auch die maximale Anzahl der Weiterleitungsschritte (Hops) kann abhängig von der aktuellen Netzbelastung automatisch angepasst werden.

Was bedeutet das?

Gerade größere Mesh-Netzwerke mit vielen Teilnehmern sollen dadurch effizienter arbeiten. Unnötiger Funkverkehr wird reduziert und die verfügbare Funkkapazität besser genutzt. Das könnte besonders für stark wachsende regionale Funknetze interessant werden.

4. Neue Funkmodi und flexiblere LoRa-Einstellungen

Meshtastic 2.8 bringt zusätzliche Funkparameter und Modem-Presets. Neu hinzugekommen sind unter anderem TinyFast und TinySlow. Außerdem wurden MediumTurbo und die Unterstützung weiterer LoRa-Spreading-Faktoren verbessert beziehungsweise erweitert.
Ein weiterer Vorteil: Änderungen an LoRa-Einstellungen können jetzt ohne vollständigen Neustart des Gerätes übernommen werden.

Auch spezielle Funkregionen für lizenzierte Funkamateure wurden ergänzt.

Was bedeutet das für Österreich?

Für die Teilnahme am bestehenden öffentlichen Mesh-Netzwerk bleibt die bei uns verbreitete Einstellung EU_868 mit MediumFast und dem primären Kanal 0 weiterhin maßgeblich. Neue Funkmodi bedeuten nicht automatisch, dass das gesamte Netzwerk umgestellt werden muss. Geräte müssen weiterhin dieselben kompatiblen Funkparameter verwenden, um miteinander kommunizieren zu können.

5. Mehr Datenschutz bei Positionsdaten

Mit Version 2.8 werden Positionsdaten auf öffentlichen Kanälen vorsichtiger behandelt. Insbesondere die Übertragung genauer GPS-Positionen über Kanäle mit öffentlich bekannten Verschlüsselungsschlüsseln wird eingeschränkt. Wer seine genaue Position mit bestimmten Teilnehmern teilen möchte, kann dafür einen privaten Kanal mit entsprechendem Schlüssel verwenden. Außerdem sind die regelmäßige Übermittlung von Positionsdaten und Telemetriedaten künftig standardmäßig deaktiviert und müssen bei Bedarf ausdrücklich aktiviert werden.

Was bedeutet das?

Die Privatsphäre der Teilnehmer wird verbessert. Gleichzeitig muss bei bestehenden GPS- oder Umweltsensor-Nodes nach dem Update überprüft werden, ob die gewünschte Datenübertragung weiterhin aktiviert ist.

6. Geofencing – Benachrichtigung bei Betreten eines Gebietes

Eine besonders interessante neue Funktion sind sogenannte Geofenced Waypoints. Dabei können bestimmte geografische Bereiche definiert werden, beispielsweise rund um einen Wegpunkt oder innerhalb eines rechteckigen Gebietes. Erkennt das Node anhand empfangener Positionsdaten, dass ein anderer Funkknoten einen solchen Bereich überschreitet, kann eine Benachrichtigung ausgelöst werden. Diese kann am Display erscheinen oder auch einen Summer beziehungsweise Vibrationsmotor ansteuern.

Mögliche Anwendungen:

Beispielsweise die Überwachung bestimmter Gebiete bei Outdoor-Aktivitäten, die Erkennung des Eintreffens anderer Teilnehmer oder spezielle Anwendungen bei Veranstaltungen. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden Positionsinformationen verfügbar sind.

7. Verbesserte Nachrichtenbestätigung

Auch die Behandlung von Direktnachrichten wurde verbessert. Eine wichtige Änderung betrifft die Bestätigung des erfolgreichen Empfangs einer Nachricht. In bestimmten Situationen konnte bisher die Empfangsbestätigung den ursprünglichen Absender nicht erreichen, obwohl die Nachricht beim Empfänger angekommen war. Dieses Verhalten wurde verbessert. Zusätzlich unterstützt Version 2.8 kryptografisch überprüfbare Empfangsbestätigungen.

Was bedeutet das?

Direktnachrichten sollen zuverlässiger bestätigt werden können. Damit lässt sich besser unterscheiden, ob eine Nachricht tatsächlich beim gewünschten Empfänger angekommen ist oder nur von einem anderen Node weitergeleitet wurde.

8. Neue Möglichkeiten für Displays

Auch bei der Bedienung direkt am Funkgerät gibt es Neuerungen. Die grafische Benutzeroberfläche BaseUI unterstützt nun Farben auf geeigneten TFT-Displays. Besonders interessant sind die Verbesserungen bei InkHUD, der Benutzeroberfläche für E-Ink-Displays. Dazu gehören die Darstellung von Offline-Karten, Zoomfunktionen und Touchscreen-Unterstützung auf bestimmten Geräten.

Was bedeutet das?

Meshtastic-Geräte mit Display können künftig noch vielseitiger eingesetzt werden. Gerade die Möglichkeit, Karten ohne Internetverbindung direkt auf einem E-Ink-Gerät darzustellen, ist für Outdoor-Anwendungen interessant. Die Verfügbarkeit dieser Funktionen hängt allerdings von der jeweiligen Hardware und deren Ausstattung ab.

9. Verbesserte Umweltsensor-Unterstützung

Auch bei der Unterstützung verschiedener Sensoren wurde weitergearbeitet. Beim BME680 kommt beispielsweise eine neue, offene Software zur Verarbeitung der Luftqualitätsdaten zum Einsatz. Diese benötigt weniger Programmspeicher als die bisher verwendete Bibliothek. Dadurch steht auf Geräten wie dem RAK4631 zusätzlicher Speicherplatz für andere Funktionen zur Verfügung.

WICHTIG: Durch die geänderte Berechnung können sich die angezeigten Luftqualitätswerte von früheren Firmware-Versionen unterscheiden. Gerade bei langfristigen Messreihen sollte das berücksichtigt werden.

10. Mehr Möglichkeiten mit Raspberry Pi und Linux

Auch die Linux-Version von Meshtastic, meshtasticd, wird weiterentwickelt.
In der Alpha-Version 2.8.2 wurden unter anderem folgende Funktionen vorgestellt:

  • Bluetooth-Verbindungen über BlueZ, sodass sich Smartphone-Apps direkt mit einem entsprechend eingerichteten Raspberry-Pi-Node verbinden können.
  • Eine neue Remote-Shell-Funktion (DMShell), mit der sich bei entsprechender Einrichtung Kommandos über das Mesh-Netzwerk ausführen lassen.
  • Verbesserte automatische Netzwerkerkennung sowie verschiedene Optimierungen bei der Verwaltung und Kommunikation.

Gerade die Remote-Shell könnte für spezielle Linux-basierte Funkknoten und eigene Projekte interessant werden.
Da die betreffende Alpha-Version zurückgezogen wurde, bleibt abzuwarten, in welcher Form diese Funktionen in die stabile Firmware übernommen werden.

11. Weitere Verbesserungen

Neben den größeren Neuerungen wurden auch zahlreiche kleinere Fehler behoben und verschiedene Funktionen verbessert.

Dazu gehören unter anderem:

  • Behebung eines Fehlers, durch den manche Nodes mit fest eingestellter Position fälschlich die Koordinaten 0,0 übertragen haben.
  • Verbesserungen bei der Speicherung von Konfigurationen auf nRF52-Geräten.
  • Fehlerbehebungen bei der Speicherung von Node-Daten.
  • Verbesserungen bei MQTT-Einstellungen und deren Übernahme nach Konfigurationsänderungen.
  • Erweiterte Unterstützung neuer Funkgeräte und Hardwareplattformen.
  • Ein neuer reiner Empfangsmodus, bei dem das Funkgerät selbst keine Funknachrichten aussendet.

Weitere Optimierungen betreffen die eigentliche LoRa-Funkübertragung, die Verarbeitung von Paketen und die Stabilität verschiedener Geräte.

12. Neue unterstützte Hardware

Mit der Firmware-Generation 2.8 wird die Unterstützung zahlreicher weiterer Geräte ausgebaut. Dazu gehören beispielsweise ThinkNode M8 und M9, T-Watch Ultra, verschiedene Wio-Tracker-Modelle, neue Heltec-Boards, RAK-Hardware und weitere Geräte. Auch die Unterstützung neuerer LoRa-Funkchips wird erweitert. Dadurch wächst die Auswahl an Hardware für das Meshtastic-Funknetzwerk weiter.

Was ist beim Update auf 2.8 zu beachten?

Da die Version 2.8 einige grundlegende Änderungen enthält, sollte vor einem späteren Update unbedingt die bisherige Konfiguration gesichert werden. Insbesondere die Node-Identifikation, die Positionseinstellungen, Telemetrie und die Verwaltung der gespeicherten Daten haben sich verändert. Auch die maximale Länge des Gerätenamens wurde angepasst: Der lange Gerätename ist künftig auf 24 Byte begrenzt. Bei größeren Netzwerken oder ferngewarteten Router-Nodes empfiehlt es sich, die neue Firmware zunächst auf einem Testgerät auszuprobieren.

Unsere Empfehlung: Für dauerhaft betriebene Router und andere wichtige Funkknoten sollte die stabile Veröffentlichung abgewartet werden.

Fazit

Mit Meshtastic 2.8 steht eine umfangreiche Weiterentwicklung bevor. Besonders die verbesserte Sicherheit, die effizientere Verwaltung größerer Mesh-Netzwerke, die neuen Positionsfunktionen und die erweiterten Möglichkeiten für Displays machen die kommende Firmware interessant. Es handelt sich also nicht nur um ein gewöhnliches Update mit ein paar Fehlerkorrekturen, sondern um eine Weiterentwicklung mehrerer grundlegender Meshtastic-Funktionen.

Ich freue mich schon darauf, über die Erfahrungen aus der Praxis auf meshtastic.at zu berichten.

73 und auf gute Verbindungen!

Weiterführende Informationen

Offizielle Meshtastic-Veröffentlichung zur Version 2.8

Meshtastic Firmware-Versionen auf GitHub

Offizieller Meshtastic Web Flasher